Selbstfindungsphase mit 20 Jahren-normal?

Daily Blog 8/365
Thema: Selbstfindungsphase

 

Davon abgesehen, dass meine Computerkorrektur das Wort „Selbstfindungsphase“ nicht kennt, muss ich einfach unbedingt über das Thema schreiben. Und: ich bin 23 (1994 geboren), jedoch fing alles bei mir mit 20 Jahren an. Deshalb der Titel. 🙂

Wann genau  fing bei mir die Selbstfindungsphase an?

Wieso ich so genau sagen kann, dass bei mir die Selbstfindungsphase mit 20 anfing? Weil ich mich da gegen mein Lehramtsstudium entschieden habe. Ich habe mich so unwohl gefühlt in der Zeit. Alles war so… unrealistisch für mich. Es fühlte sich nicht wie MEIN Leben an. In jeder Unterrichtsstunde fragte ich mich :„Was mache ich hier eigentlich?“. 

Bis ich den Mut gepackt hatte das Studium abzubrechen, hatte ich schon die hälfte des Studiums durch. Beziehungsweise die Hälfte vom Bachelor. Danach kommt ja noch der zwanghafte Master UND noch das Referendariat. Oh Gott, die Vorstellung davon brachte mich letztendlich dazu den Mut zu fassen und mein Studium abzubrechen. Noch weitere Jahre des Studiums plus Referendariat mit dem komischen Gefühl im Bauch? Das konnte ich einfach nicht. Und das wollte ich den Kindern in der Schule auch nicht antun. 

Abbruch

Ich brach das Studium ab und wollte nach Australien zu meiner Schwester fliegen, die da ein Auslandsjahr machte. Ich hatte den Flug schon gebucht und brauchte nur noch mein Visum. Parallel hatte ich mich aber zu dem Studiengang „Sportmanagement“   beworben. Sport und BWL zusammen war eigentlich ne coole Sache oder nicht?
Mir wurde jedoch auf freundlichste Art mitgeteilt, dass ich mit einem Abitur von 2,6 keine Möglichkeit für eine Zulassung bekommen würde. Ich schrieb mich aber ins Losverfahren ein, bei dem wirklich wenige Plätze vergeben werden. 
Ich bekam den Platz (juhu). Aber jetzt kam die entscheidende Frage:

Ist das Schicksal? 

Soll ich den Studiumsplatz also annehmen? Ist das DAS Studium für mich? Oder wird gerade nur geprüft wie sehr ich endlich mein Ding machen will? Gut, es waren scheinbar mehrere Fragen (lach).
Na gut. Ich ging vom ersteren aus. Die zweite Frage stellte ich mir zu dem Zeitpunkt nämlich nicht. Ich dachte es wäre Schicksal und ich soll diesen Studiengang machen.

 

Das nächste Studium 

 

Ich war ziemlich gut in den Fächern Finanzierung, Rechnungswesen und auch BWL, VWL. 
Die Noten sprachen für das Studium. Aber da war dieses Gefühl. Wieder dieses scheiß Gefühl, dass hier irgendwas abläuft was nicht für mich bestimmt ist.
Ich war im 4. Semester und bekam das Gefühl einfach nicht los. Ich hatte eine extrem verzweifelnde Zeit und ärgerte mich über mich selbst, dass ich nichts durchziehen konnte. Ich ärgerte mich so sehr, dass ich einfach nicht das machen konnte, was alle machen. Was war los bei mir? Warum liebten andere das Studium und ich nicht? Wieso haben die so schnell etwas gefunden, was sie gerne machen?
Ich habe so oft geweint.  Denn ich wusste einfach, dass wenn ich das Studium abschließe nicht weiter bin als vorher. Ich konnte mir nicht vorstellen die beruflichen Wege einzuschlagen, die das Studium vorsieht.
Wenn ich  jetzt  schon so unglücklich war, sollte ich das dann mein ganzes Leben sein? Konnte ich mit einem Job glücklich werden, wo mich das Studium schon zum verzweifeln bringt?

 

Aber es ist nur noch ein Jahr!!

JA! Ja verdammt! Ein Jahr bis das Studium abgeschlossen ist und ich habe schon über drei Jahre mit Studiengängen verbracht, die mich einfach nicht erfüllten.
Ich fand den Mut (manche würden es Leichtsinnigkeit nennen) und brach ab. 
Oh mein Gott war das ein befreiendes Gefühl! Ich hatte mich für MICH entschieden. So fühlte es sich zumindest an.
Dass erste was ich machte war, mir endlich Bücher zu kaufen die ich schon die ganze Zeit lesen wollte. Romane, Sachbücher- alles was nicht rein passte, wenn man unzählige Bücher über Rechnungswesen verschlingen musste.

 

Was folgte?

Eine Yogaausbildung in Indien. Schon vorher begann ich zu meditieren und fand immer mehr in meine Mitte. Ich wurde mutiger und lernte meinen Gefühlen zu vertrauen und auf sie zu achten.
Das war gleichzeitig ziemlich erschreckend!! Wie oft hatte ich gegen mein Gefühl gehandelt?
Ich lernte meine Gefühle zu ehren und stolz darauf zu sein, dass sie mir so deutlich sind. Meine Verzweiflung darüber, dass ich nicht einfach das machen konnte was alle machen, legte sich allmählich. Allmählich!! Oft kommt sie auch heute noch wieder hoch und lässt mich alles in Zweifel ziehen, aus Angst.
Die Yogaausbildung war ne harte Zeit. Dachte ich vorher, dass ich mich schon viel mit mir selbst beschäftigte, war das im Vergleich zu der Yogaausbildung nichts.
Wir meditierten jeden Tag über eine Stunde, hatte so gut wie kein Internet, keine Ablenkungen und durch Yoga lernte ich meine Körper besser kennen. Hart, aber so viel Wert!!!

 

Reisen

 

Ich beschloss auch mehr zu reisen. Nicht dieses „Ja nach dem Studium reise ich dann.“ Ich wollte es JETZT anpacken. Die Welt sehen und aus Erfahrungen lernen. Ich flog nach Indien, Portugal, Thailand (3x). Dann fing ich an Bücher über Ayurveda zu verschlingen und dachte mir „Hey, das macht dir so einen Spaß, kann man das nicht studieren?“ 
Ich fand ein Fernstudium in Hamburg und lernte, dass studieren wirklich Spaß machen kann!! Auch hier sprechen die Noten für das Studium, aber auch mein Gefühl etwas zu tun, was ich gerne mache.

 

Und weiter?

 

Warum ich jetzt einen ganzen Blogpost über die Selbstfindungsphase schreibe? Letztens hat jemand  zu mir gesagt
„Jedes mal wenn ich dich sehe, machst du etwas anderes.“ Der Satz kam in dem Moment als ich davon erzählte, dass ich unbedingt lernen will wie man ein Buch schreibt. 

Und ja es stimmt- ich mache ständig etwas neues. Ich probiere so viel aus. Das macht viele verrückt und ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich mich manchmal nicht verrückt fühlen würde. 
Aber ich habe gelernt es zu lieben! 
Ich muss halt erst etwas erfahren um zu wissen ob ich es mag oder nicht. 

 

Man will es einfach wissen

 

Ich will einfach wissen, was mich erfüllt!!! (wow- drei Ausrufezeichen sind ein bisschen heftig oder?:D)
Das finde ich heraus, indem ich es drauf ankommen lasse und Erfahrungen sammle. Ich habe gelernt „Nein“ zu sagen, wenn ich mich nicht gut damit fühle, anstatt es einfach durchzuziehen und mich selbst dabei zu verlieren. Wenn du Sachen machst und dir denkst „Wer bin ich geworden? So bin ich doch nicht.“ Ist das ein Zeichen, dass es nicht dein DING ist. Sei mutig! Finde heraus was DEIN DING ist.

 

Wann hat die Selbstfindungsphase ein Ende?

Mhhh… schwer zu sagen, weil ich mitten drin bin. Aber ich glaube, dass sie nie ein Ende hat. Man wird immer neues entdecken.

Aaaaaaaaber irgendwann kommt man an einem Punkt wo man sagen kann:

„Ich bin glücklich mit dem was ich tue.“

Und dann machst du es einfach! Bis dich etwas neues reizt. Genieß es! Und verurteile dich nicht, wenn du irgendwann was anderes machst.
Dein Leben besteht aus Erfahrungen. Es besteht daraus, dich selbst zu erfahren.
Ich würde sagen, das ist der Sinn des Lebens. Herauszufinden wer du eigentlich bist. Was du magst, was du nicht magst, was du gerne tust und was du ablehnst. Jeden Tag zu wachsen.
Aber es bedarf Mut, Vertrauen und Zeit. Gib dir die Zeit dich selbst zu erfahren.
Ich beneide wirklich jeden, der jetzt schon weiß was er machen möchte. Sei Stolz auf dich! Ich freue mich so sehr für dich!!

 

Geld verdienen 

 

Natürlich denkt man auch oft :“ Selbstfindungsphase hin oder her. Irgendwie muss ich mich auch Überwasser halten. Die Miete bezahlt sich nicht von selbst.“
Richtig. Manchmal muss man ein paar Kompromisse eingehen.
Aber warum denken wir immer : Wenn ich viel Geld verdiene bin ich glücklich.
Geht das nicht auch anders herum? Wenn man glücklich ist, wird man viel Geld verdienen. Das Gesetzt der Anziehungskraft.
Wenn du bereits glücklich bist, wird dich so viel mehr erreichen was dich dabei unterstützt.
Genieße den Weg und genieße dich selbst.

Lebe dich selbst! Sei mutig. Vertraue auf dein Gefühl. Was sonst sollte dir dein Gefühl zeigen, das so intuitiv auftaucht. Woher kommt dieses Gefühl, wenn nicht von deinem Selbst. Deinem wahren Selbst.
Und gib dir Zeit. Hetzte dich nicht. Genieße jede Erfahrung und sei dankbar für jede Erfahrung, die dir gezeigt hat, was du nicht willst.
Und nochmal: Lebe dich selbst.

Deine
Jil

4 Kommentare bei „Selbstfindungsphase mit 20 Jahren-normal?“

  1. Mh…ich bin jetzt 48 und irgendwie hört das nie auf, finde ich. Ich habe inzwischen eine gute Balance gefunden mit einem Halbtagsjob, den ich ganz gerne mache und der mir mein „Grundbrot“ sichert und dann der Rest „freiberuflich“. So habe ich Zeit, alles mögliche zu tun und zu testen und zu lernen…im Moment mache ich einen Fernlehrgang, der im April abschließt und habe da 1,5 Jahre lang jeden Tag zwei Stunden für gelernt. So langsam geht mir das aber auch auf den Senkel und ich bin froh, wenn das vorbei ist…was ich damit dann „anfange“ weiß ich ehrlich gesagt auch noch nicht. Ich lasse das auf mich zukommen und warte ab, ob sich neue Türen öffnen…

    Also, gewöhn Dich lieber gleich an das „Suchen“…vielleicht hört es nämlich nie auf!

  2. […] Rückseite. „Was ist der Sinn deines Lebens?“. Ok- gekauft. Wie ihr in meinem letzten Blogpost gelesen habt, stelle ich mir diese Frage derzeit extrem oft. „Was erfüllt mich? Wer bin […]

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    So, for now I’ll say thank you for being a lamp in this world!!! Also I look forward to sharing in future writings and experiences.

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