Tödliche Zukunft – wann kommt der Moment

Daily Blog 22/365 Thema: Tödliche Zukunft

 

 

Tödliche Zukunft

 

Oha krasser Titel :D. Aber gleich werdet ihr wissen warum.

Was alle sagen, aber keiner umsetzt

 

Ich glaube den Satz „Lebe im JETZT“, können wir als den meist geschriebenen Satz 2017 auf Social Media küren.
Ich habe diesen Satz auch in zich Variationen geschrieben.

So viele schreiben es, sind es aber nicht

So viele schreiben „Lebe im JETZT“ „Sei im Moment“. Ja- einfacher gesagt als getan!
Wie denn? „Ja durch die Atmung. Das ist das einzige was im JETZT ist.“  Ah ok. Und wie lange soll ich das machen?

Ja wie lange soll man eigentlich im JETZT sein? Was ist mit der Zukunft?

Ich habe mich genau deswegen extrem unter Druck gesetzt gefühlt. Weil ich es einfach nicht permanent geschafft habe im jetzt zu sein. Meine Gedanken schwirren umher über vergangenes, in der Zukunft und über Sachen die ich mir einfach her fantasierte.

Es hat auch seinen Vorteil nicht im JETZT zu leben und an alles andere zu denken, außer an das was gerade passiert. Zum Beispiel, wenn man in einer scheiß Situation ist, in der man gerade einfach nicht sein möchte.
Ich hatte vor ein paar Monaten eine extrem unangenehme, traurige und schmerzhafte Situation. Eine Trennung. In dem Moment des Abschiedes war ich aber auch einfach nur froh, dass ich mich ablenken kann und habe einfach an alles mögliche gedacht. Ich wollte einfach nicht in dem Moment sein. Keine Lust auf den Schmerz gehabt. In meinem Kopf spielte sich alles mögliche ab, nur nicht das Jetzt und erst recht keine Achtsamkeit mit dem Moment.

 

Mache das Gegenteil

Und deswegen schreibe ich diesen Blogpost. Wenn einem klar wird wie man etwas NICHT macht, weiß man wie man etwas machen kann.
Dadurch das wir alle wissen wie man nicht im Moment lebt, können wir genau das Gegenteil machen.
Ich bereue es, gedanklich aus der Situation geflüchtet gewesen zu sein. Es wäre eine gute Chance für mich gewesen, im JETZT zu sein. Ich hätte in mich rein spüren können, um das zu fühlen was ich wirklich fühle, anstatt eine Rolle zu spielen. Daran wäre ich gewachsen und dadurch hätte ich mich besser kennen lernen können.
Es ist schmerzhaft im Jetzt zu sein.

 

Aber in der Zukunft zu sein ist tödlich

Denn wenn wir die ganze Zeit mit unseren Gedanken  in der Zukunft sind, verpassen wir genau das was als einziges wirklich sicher ist das JETZT. Das was jetzt gerade passiert.
Wir machen uns Gedanken über die Zukunft, weil es uns oft ein Gefühl von: „Da wartet etwas auf uns“ gibt. Es bedarf Mut die Zukunft auf sich zukommen zu lassen. Das heißt nicht, dass man keine Pläne machen soll, aber man sollte auch nicht jedes zukünftige Gespräch zwanzig mal im Kopf durch spielen.
Wenn wir die ganze Zeit darüber nachdenken was wir als nächstes tun oder was am nächsten Tag ansteht, leben wir in der Zukunft und in der Zukunft ist jeder Tod. Und das ist das einzig sichere in der Zukunft. Alles andere worüber wir uns den Kopf zerbrechen wird nie zu 100% so geschehen. Es ist nichts wirkliches, was sich da in unseren Köpfen bezüglich der Zukunft abspielt.

 

Ein bisschen zu krass?

Der Gedankenweg ist krass und ich bekomme auch gerade Gänsehaut während ich das schreibe. Aber das ist es, was uns helfen wird im JETZT zu sein.
Denke genau daran und dann konzentriere dich auf das JETZT. Beobachte was passiert. Spüre was du gerade fühlst. Höre was du gerade hörst und lasse deine Gedanken ruhen. Alles was im Jetzt passiert hat einen Sinn. Nehme alles auf was passiert. Mit all deinen Sinnen.

Die Gedanken ruhen zu lassen ist schwer, aber du kannst sie beobachten ohne sie im Detail weiter zu spinnen.

 

Zum Beispiel merkst du den Gedanken „Er hat aber blaue Augen.“ Der Gedanke kommt automatisch und wir sind es, die den Gedanken AKTIV weiterspinnen. Wenn du genau darauf achtest, wirst du irgendwann merken, dass die Gedanken automatisch kommen und du sie dann weiterspinnst, obwohl du das weiterspinnen auch einfach sein lassen könntest und somit der Gedanke verfliegt.
Zum Beispiel wenn wir den Gedanken annehmen und nicht vorbeiziehen lassen, sieht das so aus:


 
„Er hat aber blaue Augen… aber seine Haare sehen ja schrecklich aus. Der muss unbedingt mal zum Friseur. Ob er das weiß? Oder soll ich es ihm sagen? Naja eigentlich ist es mir auch egal. Aber es wäre doch lieb von mir wenn( … )und vielleicht wird er dann… “.

Merkst du was ich meine? Wir führen quasi einen Monolog in unserem Kopf. Einen unnötigen Monolog, der uns von dem Jetzt ablenkt.
Denn während wir die Frisur des Typen beurteilen und am Ende sowieso sein ganzes Outfit, geht alles an uns vorbei was gerade passiert. Vielleicht hast du gerade verpasst wie die Liebe deines Lebens an dir vorbei geht, mit der perfekten Frisur. 😉

 

Wir verpassen den Moment durch die Monologe in unseren Köpfen

 

Wie oft denken wir Gedanken, nur um des Denkens wegen. Wir wissen schon während dem Denken, dass wir nichts von diesem Gewirr in unserem Kopf umsetzten werden. Wir wollen einfach nur Denken, weil wir nichts besseres zu tun haben und es nicht anders kennen. Weil wir flüchten wollen vor der Langeweile im JETZT. Weil wir nicht wissen, was uns das JETZT alles geben kann.
Denn es ist viel anstrengender und bedarf viel Arbeit im JETZT zu sein. Arbeit die sich lohnt.

 

Und wie lange soll ich im Jetzt sein?

Und das ist der Punkt. Jeder schreibt „Sei im Jetzt.“ Und auch wenn ich meinen Blogpost jetzt beenden würde, würde man denken dass „Im JETZT zu sein“ ein andauernder Prozess ist und jeder würde sich schlecht fühlen, weil er es einfach nicht packt permanent im Jetzt zu sein.

Es ist aber kein permanenter Prozess. Denn genau wie im Yoga gilt auch hier: Der Versuch zählt. Taste dich langsam ran und gib dir die Zeit, aber denke dir immer wenn du zu viel in deinem Kopf bist. „Die Zukunft ist tödlich“.

 

Was ist  mit der Atmung?

Und es stimmt, die Atmung bringt uns ins JETZT. Um zu lernen die Gedanken auszuschalten, ist Meditation das beste Werkzeug.
Jaja, dir hängt das wahrscheinlich schon aus den Ohren raus. Oder du hast es versucht und bist gescheitert. Was nichts schlimm ist!!! Der Versuch zählt. Aber versuche es für dich jeden Tag wieder.

Meditieren heißt auch nicht gleich einfach nur dazusitzen. Man kann auch eine Geh-Meditation machen und jeden Schritt so aufmerksam wie möglich gehen. Den Boden spüren und das was um einen herum passiert. Meditation gibt es in unzähligen Variationen (ich stelle euch bald einige vor), da wird dich sicherlich auch eine für dich finden. Durch Meditation werden dann einige Phasen in Gang gesetzt, die man durchläuft. Oder auch nicht. Jeder ist anders. Aber einiges von den nächsten Phasen wirst auch du erleben, wenn du es angehst.

 

Die Phasen

Ein mega Schritt ist es schon mal, wenn du erkennst was du denkst. So denkst du wenigstens nicht mehr komplett unaufmerksam. In dieser Phase steckt man eine Weile fest und fühlt sich eigentlich nur noch schlechter, weil man jetzt weiß wie viel man eigentlich denkt und wie viel davon unnützes Zeug ist. Man kämpft darum, endlich Stille im Kopf herrschen zu lassen. Es funktioniert aber vielleicht nicht direkt, das bringt einem zum verzweifeln.

Danach folgt das Lernen von dem Vorbeiziehen lassen der Gedanke. Du bist näher am Jetzt. Identifizierst dich nicht mehr mit deinen Gedanken (mehr oder weniger. Es is immer ein auf und ab). Irgendwann lässt du jedes Gefühl zu und erkennst es als die der deine an. Spüre wie du wirklich bist und was dein Körper für Signale schickt. Du traust dich das JETZT anzunehmen. Es langweilt dich nicht mehr. Es wird aufregend. Schmerzhaft, aber aufregend, weil es doppelt so viel Freude verbirgt. Am Anfang ist es anstrengend und leicht steht man davor aufzugeben.
Doch dann folgt die häufige Stille in deinem Kopf. Irgendwann. Oder vielleicht auch nicht. So wie du es willst und zu lässt.

 

Wenig bringt auch viel

Aber sich 10x am Tag daran zu erinnern im Jetzt zu sein, sei es für 2 Sekunden, ist mehr JETZT als viele Menschen haben. Der Versuch ist unendlich kosbar. Dadurch wird sich so viel ändern für dich. Denn es gibt nur das Jetzt und wenn du da wenigstens ein paar Sekunden am Tag ankommst, sprichst du immer mehr die Sprache deiner Seele.

Erinnere dich einfach so oft es geht und nutze unangenehme Situationen dafür zu wachsen und dich besser kennen zu lernen.
Das wirst du hassen. Ich mag es auch nicht. Aber es ist ein Leben im Jetzt und das Jetzt ist manchmal schmerzhaft, aber umso häufiger schön. Und dadurch, dass du den Schmerz erkennst und annimmst, wirst du auch bald die ganze Freude erkennen und annehmen. Und dann wird dir auffallen, dass du 90% Freude empfindest im Leben und den Schmerz zum Leben dazu zählen, aber als etwas seltenes und besonderes. Denn ohne Schmerz wüssten wir nicht was Freude ist. Würde permanent die Sonne scheinen, wüssten wir gar nicht, dass es Dunkelheit gibt. Wir würden die Sonne als selbstverständlich annehmen und wüssten die warmen Sonnen-Tage gar nicht zu schätzen, weil wir die Kälte nicht kennen.

Ohne Tod gibt es kein Leben, ohne Böse wüssten wir nicht was Gut ist und ohne Hass gäbe es keine Liebe.
Wir erkennen die Gegensätze, die uns lehren jenes „Schöne“  zu schätzen.

Wenn nur 1/100 von den Leuten die diesen Satz schreiben, wirklich das machen, nämlich  im Jetzt zu leben, wäre die Welt ein krasser Ort. Aber schon alleine der Versuch es für ein paar Sekunden am Tag zu machen, macht dein Leben zu einem besseren Leben.

Wage es. Scheitere. Wage es wieder. Es ist es wert sich selbst kennen zu lernen. Denn du bist der einzige Mensch, der dir so nah ist.

Was ist deine Meinung dazu? Wie fühlst du dich mit dem Thema „Im jetzt sein“?

Deine

Jil

2 Kommentare bei „Tödliche Zukunft – wann kommt der Moment“

  1. Liebe Jil,
    ich weine. Der Text ist so schön, so ehrlich und geht richtig nah ans Herz.
    Ich danke dir!

    1. Ohh, so schön dein Kommentar zu lesen. Danke 🙂

Schreibe einen Kommentar